5 Gründe warum Regulars Broke gehen

Nach dem Lesen des Artikels Bankroll Management (BRM) Grundlagen wirst Du merken, dass BRM eigentlich ganz einfach ist. Und damit hast Du Recht. Es gibt überhaupt nichts daran, was kompliziert ist. Du musst nur ein paar Richtlinien kennen und diese befolgen. Es ist ganz einfach!

ABER… warum gibt es dann so viele Spieler, die ihre Bankroll so schlecht verwalten? Wieso verdonken sogar gute Spieler ihre ganze Bankroll? Kann es sein, dass man die schwierigsten Elemente beim Pokern meistert, aber trotzdem am einfachsten (hier: BRM) scheitert? So erschreckend die Antwort auch sein mag. Ja! Die Kombination von Überschätzung, fehlendes Know-How über die Poker-Realitäten und Gier sind für dieses Misslingen zuständig.

Dieser Artikel zeigt 5 Gründe warum Regulars Broke gehen:

  • Pokerspieler überschätzen sich
  • Bankroll Management ist zu konservativ
  • Attraktivität des höheren Limits
  • Bankroll Suizid unter Druck
  • Unsittliche Einstellung von tieferen Limits

 

Grund #1 – Pokerspieler überschätzen sich

Die meisten Pokerspieler sind der Meinung, einen besseren Spieler zu sein als sie wirklich sind. Marginale Winning Players denken, dass sie ein Big Winning Player sind. „Wenn ich mehr Glück hätte, wäre ich auch ein Big Winner.“ Kleine Losing-Players behaupten zumindest Break-Even spielen zu können. Big Losers glauben, dass sie nur wenig Geld verlieren und evtl. sogar Break-Even sind. À la „wenn doch der Rake nicht wäre, würde ich wohl Break-Even sein.“ Ausserdem begründen sie ihre Verluste durch die schlecht fallenden Karten, ugly Spots etc. Selbst Big Winning Players überschätzen häufig ihre langfristige Edge. Sie laufen über mehrere Monate heiss und scheinen die Realität von Poker nicht mehr zu kennen. Dies trifft besonders auf Spielern zu, welche ein grosses Turnier gewinnen. Spiele mit hoher Varianz sind meistens dafür zuständig, dass sich gewisse Spieler überschätzen.

Beispiel:
Ein Spieler hat in 6-max NL50 eine Statistik von -8 BB/100 hands über 50k Hände – das entspricht 4000$ Verlust. Ausserdem hat er in 20$ SnG’s nach 2000 Games einen ROI von -10% – wiederum 4000$ Verlust. Dann spielt er ein Turnier und shippt 20’000$. „Ich bin ein Winning Player, ich habe in meiner Karriere 12k Profit gemacht“, denkt er sich. Was meinst Du dazu? Ist er ein langfristiger Winning Player?

Er äussert sich folgendermassen zu Bankroll Management: „Andere Spieler brauchen vielleicht ein konservatives BRM System, aber nicht ein hervorragender Spieler wie ich.

Dieser Spieler wird seinen Profit noch früh genug verdonken, wenn er sich nicht an BRM hält. Das obere Beispiel schildert die gefährlichste Situation, wenn es um Selbstüberschätzung geht. Man kennt seine Win-Rate nicht, geschweige man will nicht zugeben Losing Player zu sein. Aber 12k Profit fühlt sich gut an. Es gibt einem Selbstvertrauen, aber leider zu viel. Wer will schon zugeben, dass man Losing Player ist? Oder stellen wir uns das im realen Leben vor. Wer will schon zugeben, dass man keine Lohnerhöhung verdient? Selbstüberschätzung ist eine der häufigsten Schwächen von Menschen. Und zwar nicht nur beim Pokern, sondern auch im realen Leben.

 

Grund #2 – Bankroll Management ist zu konservativ

Bankroll Management kann in gewissen Phasen sehr konservativ erscheinen. Besonders in Phasen, wo man heiss läuft, scheint es ZU konservativ zu sein. „Ich crushe das Limit, wozu brauche ich ein so strenges BRM?“ Die Antwort lautet: „Damit Du nicht broke gehst, wenn Du schlecht läufst.“ Manche marginale Winner laufen über mehrere 10k Hände heiss und denken, dass diese Winning Streaks für immer bleiben werden. Sie sind in Sachen Varianz noch nicht aufgeklärt und haben die Schattenseite der Varianz noch nicht kennen gelernt.

Viele Regulars wissen einfach nicht wie brutal Poker sein kann. Die meisten erleben am Anfang ihrer Karriere einen starken Upswing. Dann denken sie, dass sie mit ihrer Bankroll aggressiv vorgehen können. Nach ihrem ersten Downswing fragen sie sich, wie sie 50% ihrer Bankroll in einer Session verlieren konnten. Folgende Fragen sollte sich ein Regular stellen, bevor er sich entschliesst aggressiv mit seiner Bankroll vorzugehen:

  • Habe ich als Pokerspieler genug Erfahrungen gesammelt?
  • Wie viele Hände bzw. Turniere habe ich gespielt?
  • Wie hoch ist meine Win-Rate? Ist diese Win-Rate sustainable (nachhaltig)?
  • Entspricht dies einer realistischen Win-Rate?
  • Bin ich ein proven Winning Player? Inwiefern?

Erfahrene Pokerspieler können definitiv aggressiver vorgehen, wenn sie z.B. ein Limit spielen, das sie schon Mal gecrusht haben. Ansonsten ist die Höhe der Win-Rate massgebend, wie aggressiv ein Spieler mit seiner BR umgehen kann. Obviously, je höher Deine TRUE Win-Rate, umso weniger brauchst Du in Deiner Bankroll – da Dein risk-of-going-broke kleiner ist. Spieler, die noch keine richtige Sample Size haben, sollten sich (für ihre eigene Sicherheit) an konservatives Bankroll Management halten. Last but not least: BRM funktioniert nur bei Winning Players. Ein Losing Player wird mit jeder Bankroll irgendwann Mal broke gehen, weil seine langfristige Win-Rate im negativen Bereich liegt.

 

Grund #3 – Attraktivität des höheren Limits

Egal auf welchem Limit Du spielst, der Schritt zum nächsthöheren Limit ist immer sehr verlockend. Wenn Du eine Glückssträhne hast, möchtest Du so schnell wie möglich aufsteigen. Vielleicht würdest Du sogar in Kauf nehmen, ohne eine genügend grosse Bankroll zu spielen. Diesen Fehler ist vor allem im Online-Poker sehr einfach zu begehen. Ein Klick entfernt vom grossen Coup oder dem Ende der Karriere. Es ist klar, dass man beim höheren Limit verhältnismässig mehr Geld verdienen kann. Aber ist es wirklich nötig beim Bankroll Management zu bescheissen statt so lange zu grinden bis man genug für das nächste Limit hat?

Stell Dir diese Situation im realen Leben vor. Du arbeitest bei einer Firma und verdienst xy pro Monat. Da ist es nicht so einfach eine Lohnerhöhung innert kürzester Zeit zu bekommen. Es könnte Jahre dauern bis Du 25% mehr Lohn bekommst. Im Online-Poker ist es jedoch anders. Du bist derjenige, der sagt, wie viel Du verdienen sollst bzw. kannst. Du bist Dein eigener Chef, Du arbeitest wann Du willst etc. Das ist schön, aber kann auch riskant sein. Denn als Pokerspieler bist Du selber verantwortlich, wenn Du Verlust machst. Du haftest sozusagen mit Deinem eigenen Vermögen. Was machst Du wenn Du broke gehst? Natürlich kannst Du ab einem gewissen Moment sagen, dass Du ein Limit aufsteigst um mehr Geld zu verdienen. Aber Du weisst es ja schon – Dein risk-of-going-broke wird grösser. Ein richtiger Poker Grinder versucht dies möglichst tief halten. So kann er sich sicher sein, dass er eine langzeitige Karriere haben wird.

 

Grund #4 – Bankroll Suizid unter Druck

Bankroll Management ist reine Kopfsache. Es gibt klare Vorschriften an die man sich einfach halten muss. Klingt ziemlich einfach. Jedoch muss hier etwas erwähnt werden. Wenn Regulars broke gehen, haben meistens ihre Emotionen mitgewirkt. Emotionale Auslöser können mehrere Bad Beats bzw. Downswings sein, die schlussendlich zu Tilt führen.

Es ist einfach BRM zu befolgen, wenn alles nach Plan läuft und nichts Unvorhergesehenes passiert. Jedoch haben gewisse Regulars Mühe, wenn sie plötzlich unter Druck geraten. Dieser Druck fängt meistens bei einem kleinen Bad Beat an. Hier ein paar emotionale Gründe wieso Regulars broke gehen:

1. Nach mehreren Bad Beats spielen sie nicht mehr ihr A-Game
2. Während eines Downswings kein Limit droppen
3. On Tilt gehen und höhere Limits spielen um Verluste auszugleichen
4. Schlechte Einstellung: „Scheiss egal, alles oder nichts!“

Diese Punkte sind absichtlich so nummeriert, weil es üblicherweise in dieser Reihenfolge passiert. Nach darauf folgenden Bad Beats nicht mehr das A-Game spielen ist das eine (führt zwar meistens zu kleinerer Bankroll). Aber während eines heftigen Downswings nicht zu droppen, ist das andere (Schlimmere). Punkt 3 und 4 sind dann noch schlimmer. Man könnte das Bankroll Suizid nennen, da man meistens das schlechtere Ende findet.

Viele Regulars gehen nach unfreiwilligem Befolgen dieser 4 Punkte broke. Punkt 1 nicht im Griff zu haben, ist noch das am wenigsten Schlimme. Passiert hauptsächlich jedem Profi einmal. Das ist auch etwas, was man unbewusst macht – man spielt ja nicht absichtlich sein C-Game or whatever. Der erste richtig grosse Fehler kommt daher, dass man das Limit nicht absteigt, wenn man nicht mehr genug Geld hat. Der Rest ist Geschichte. Die Geschichte von Regulars, die Bankroll Suizid begehen.

 

Grund #5 – Unsittliche Einstellung von tieferen Limits

Ein weiterer Grund, warum Regulars broke gehen ist, weil sie sich bei den Micro-Stakes schlechte Gewohnheiten aneignen. Die Spieler bei den Micro-Stakes sind fishier. Deshalb braucht ein Micro-Stakes Grinder nicht so eine satte Bankroll. Je höher die Win-Rate, umso weniger braucht man. Aber die Hauptrolle für dieses schlechte Verhalten ist die Möglichkeit immer wieder reloaden zu können, wenn man broke geht. Jemand, der sich durch die Micro-Stakes grindet wird sehr aggressiv vorgehen, weil der Verlust seiner Bankroll nicht schlimm ist. Wenn man sich daran gewöhnt mit kleiner Bankroll zu spielen, könnte es zukünftig schwierig sein, diese Unsitte abzulegen. Besonders gefährdet sind Spieler, welche auf ihrem Weg nach oben bisher das Glück hatten, noch keinen heftigen Downswing erlebt zu haben. Diese Spieler bringen die Einstellung von den Micro-Stakes mit. „Ich hatte bisher nie etwas zu verlieren.“ Wenn sie schlussendlich die höheren Limits erreicht haben, könnten sie in Gefahr laufen völlig under-rolled zu spielen. Under-rolled zu sein und gegen stärkere Gegner zu spielen ist eine Kombination, welches das Ziel „Going Broke“ fördert. In dieser Situation wäre ein Verlust der Bankroll sehr schmerzhaft.

Welcher Grund es auch sein mag. Fakt ist, dass viele gute Winning Players schlechte BRM-Skills haben. Vielleicht wirst Du überrascht sein dies zu hören. Sogar die weltbekanntesten Pokerspieler sind ständig broke. Um in den Medien zu bleiben, leihen sie entweder Geld aus oder lassen sich von ihrem Backer stacken.

Das zeigt wieder einmal, dass es nicht ausreichend ist, wenn man pokertechnisch brillant ist. Bankroll Management ist ganz simpel. Es hat nur mit der eigenen Einstellung zu tun. BRM ist reine Kopfsache.
 
Dieser Artikel wurde von Stephan Tchen verfasst.
 

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